ECONOMICSMACROECONOMICS

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der ZEW-Konjunkturerwartungsindikator fasst die Einschätzungen von rund 350 Ökonomen und Analysten zur kurzfristigen wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands zusammen.

Was ist der ZEW-Konjunkturerwartungsindikator?

Der ZEW-Konjunkturerwartungsindikator ist ein einfacher Stimmungsindikator, der aus der monatlichen ZEW-Finanzmarktumfrage erstellt wurde. Die ZEW-Finanzmarktstudie ist eine Aggregation der Einschätzungen von rund 350 Ökonomen und Analysten zur mittelfristigen wirtschaftlichen Zukunft Deutschlands. ZEW steht für Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, was übersetzt Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung bedeutet.

DIE ZENTRALEN THESEN

  • Der ZEW-Konjunkturerwartungsindikator misst die allgemeine Expertenmeinung zur Entwicklung der deutschen Wirtschaft in den nächsten sechs Monaten.
  • Er basiert auf einer monatlichen Befragung von bis zu 350 Analysten, Finanzexperten und anderen Experten.
  • Indikatoren der Volks- und Expertenmeinung werden häufig verwendet, um Trends in der Wirtschaft auf der Grundlage verschiedener Wirtschaftstheorien und der Weisheit der Massen zu messen.

Den ZEW-Konjunkturerwartungsindikator verstehen

Die ZEW-Finanzmarktstudie deckt eine Reihe von Bereichen, Branchen und Regionen ab, jedoch werden nur die spezifisch auf die deutsche Wirtschaft bezogenen Fragen zur Erstellung des ZEW-Konjunkturerwartungsindikators herangezogen. Aus diesen Daten ergibt sich eine einfache Indikatorablesung, die den Unterschied zwischen der Anzahl der Analysten, die die deutsche Wirtschaft optimistisch beurteilen, und derjenigen, die bärisch sind, zeigt. Wenn der Wert ein negativer Prozentsatz ist, bedeutet dies, dass die Mehrheit der Analysten bärisch ist. Wenn der Messwert positiv ist, bedeutet dies, dass die Mehrheit bullisch ist.

Wenn beispielsweise 20 % der Befragten eine Verschlechterung der deutschen Wirtschaftslage erwarten, 30 % eine unveränderte und 50 % eine Besserung erwarten, dann hätte die ZEW-Konjunkturerwartung einen positiven Wert von 20. Das ist bullish und deutet darauf hin, dass Finanzexperten mittelfristig positive Wachstumssignale sehen.

Da es sich um einen Stimmungsindikator handelt, sind zweistellige Werte keine Seltenheit. Im Jahr 2018 beispielsweise stieg die ZEW-Konjunkturerwartungen über einen Zeitraum von sieben Monaten von einem positiven Wert von 20,4 auf -25. Während dieser Zeit verlangsamte sich das deutsche Wirtschaftswachstum von 2,2 % im Jahr 2017 auf 1,5 % im Jahr 2018, aber die Auswirkungen auf die ZEW-Konjunkturerwartungen überzeichneten die Schwere dieser Verlangsamung etwas, wie Stimmungsindikatoren bekannt sind

Stimmungsindikatoren

Konjunkturindikatoren sind ein beliebtes Mittel, um Trends in der Wirtschaft zu messen und zu prognostizieren. Verschiedene ökonomische Theorien unterstützen die Verwendung solcher Indikatoren, obwohl sie ansonsten in ihren Annahmen und Schlussfolgerungen möglicherweise sehr unterschiedlich sind.

Dazu gehören die keynesianische Ökonomie mit ihrem Fokus auf die Anleger- und Verbraucherpsychologie als (grundsätzlich irrationale) Triebkräfte von Rezessionen und Konjunkturzyklen sowie die Theorie der rationalen Erwartungen mit ihrer Behauptung, dass die Marktteilnehmer im Allgemeinen alle verfügbaren und relevanten ökonomischen oder weniger genaues Verständnis der Wirtschaftsstruktur, um rationale Erwartungen zukünftiger Wirtschaftstrends effizient zu formen.

Stimmungsindikatoren sind in der Regel Umfragen zu Meinungen oder Absichten zu zukünftigen Handlungen und wirtschaftlichen Entwicklungen verschiedener Personengruppen in der Wirtschaft. Durch die Befragung einer großen Anzahl von Menschen sind Stimmungsindikatoren darauf ausgerichtet, die Weisheit der Massen zu nutzen. Dies ist die Idee, dass, während Einzelpersonen oft falsch liegen, das durchschnittliche Denken einer großen Anzahl von Menschen mehr verstreute Informationen ansammelt und wahrscheinlich genauer ist.

Zu den befragten Gruppen können Investoren, CEOs, Supply-Chain-Manager, Kleinunternehmer, Bankkreditbeauftragte oder Verbraucher gehören. Bei einer Umfrage zur Verbraucherstimmung könnte beispielsweise eine Stichprobe von Verbrauchern gefragt werden, ob sie die Konjunktur optimistisch sehen und ob sie in den nächsten sechs Monaten größere Einkäufe tätigen möchten. Einige Indikatoren richten sich an Schlüsselakteure, die die Märkte direkt antreiben, wie Verbraucher und Investoren, und andere, wie der ZEW-Konjunkturerwartungsindex, richten sich an Experten, von denen erwartet wird, dass sie über einen überdurchschnittlichen Einblick in die zukünftige Wirtschaftsentwicklung verfügen.

Die Daten hinter dem ZEW-Konjunkturerwartungsindikator

Wie bereits erwähnt, nimmt der ZEW-Konjunkturerwartungsindikator die Aggregation von rund 350 Ökonomen und Analysten auf, um ein Gefühl für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands zu bekommen. Diese Experten kommen aus Banken, Versicherungen und den Finanzabteilungen ausgewählter Konzerne. Sie werden zu ihren Erwartungen für die kommenden sechs Monate befragt, was die allgemeine Konjunktur, Inflationsraten, Zinsen, Aktienmärkte, Wechselkurse und Ölpreise betrifft.

Der Index selbst berechnet sich aus dem Prozentsatz der Experten, die die deutsche Wirtschaft in den nächsten sechs Monaten optimistisch beurteilen, abzüglich des Prozentsatzes, der die deutsche Wirtschaft in diesem Zeitraum pessimistisch sieht.

Neben den Fragen zur deutschen Wirtschaft umfasst die ZEW-Finanzmarktstudie die wirtschaftliche Zukunft mehrerer anderer Länder und Regionen, darunter Japan, USA, Eurozone, Großbritannien, Frankreich und Italien.